In Folge 3 unserer Reihe "Entwicklungen in der Versicherungs- und Finanzindustrie" geht es um das Management von Lebensversicherungsbeständen. Ein Interview mit Astrid Glösekötter, Leiterin des Geschäftsfelds 'Strategie & Bestandsmanagement'.
Interviewerin: Fragt man Verbraucher, was sie sich von einem Lebensversicherungsprodukt wünschen, so lautet die Antwort häufig: eine hohe und gleichzeitig sichere Rendite.
Frau Glösekötter, Sie sind Mathematikerin und Aktuarin. Seit vielen Jahren beschäftigen Sie sich mit der Risikobewertung, der Analyse und der Entwicklung von Altersvorsorgeprodukten sowie dem Management von Versicherungsbeständen. Die Wünsche der Verbraucher nach einer guten Rendite und gleichzeitig sicheren Anlage sind nachvollziehbar, aber auch widersprüchlich. Wie gehen Versicherer denn mit diesen Anforderungen um?
Astrid Glösekötter: Nicht nur die Gestaltung der Kapitalanlagen ist für eine gute Rendite verantwortlich. Ebenso ausschlaggebend ist eine kostengünstige Verwaltung der Bestände. Auch viele Verbraucher wünschen sich eine kostengünstige Lebensversicherung.
Zusätzlich soll der Lebensversicherungsvertrag aber auch flexible Gestaltungsmöglichkeiten während der Laufzeit zulassen. Und damit nicht genug, stehen die Versicherer vor dem Problem, dass viele ihrer Mitarbeiter in den Ruhestand gehen und wichtiges Produkt- und Prozess-Know-how verlorengeht. Diese Aspekte zusammengenommen zeigen das Dilemma der Versicherer im Hinblick auf ihre Produktentwicklung und Bestandsverwaltung auf.
Wollen Versicherer ihre zukünftigen oder auch bestehenden Vertragsbestände vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen nachhaltig managen oder auch auf moderne Verwaltungssysteme migrieren, so kommen sie nicht umhin, ihre Prozesse und Produkte mithilfe zukunftsfähiger Technik umzusetzen.
Manuelle Berechnungen von Geschäftsvorfällen rund um den Rechenkern, bei denen die Vorgehensweisen ggf. unvollständig oder nicht nachvollziehbar dokumentiert sind, müssen der Vergangenheit angehören, wenn Kosten, Zeit- und Personaleinsatz reduziert werden sollen. Darüber hinaus gilt es, Kopfmonopole aufzulösen und dieses Wissen übergreifend zu nutzen.
I: Wie können Sie als Leiterin des Geschäftsfelds 'Strategie & Bestandsmanagement' Versicherer dabei unterstützen, diese Ziele zu erreichen?
AG: Wenn ein Produkt oder Prozess angepasst oder neu umgesetzt werden soll, etwa aufgrund einer neuen Tarifgeneration, so bedeutet dies, dass die betroffenen Produkte und Prozesse genau durchleuchtet und in ihren Ausprägungen vollends erfasst werden müssen. Das heißt zum Beispiel, dass die Produkte hinsichtlich ihrer Allgemeinen Versicherungsbedingungen und spezifischen Geschäftsvorfälle zu analysieren sind. Wurden Geschäftsvorfälle, beispielsweise Teilkündigungen, Zuzahlungen und Entnahmen, manuell berechnet, so sind diese Berechnungen außerhalb der systemischen Erfassung und des Rechenkerns gelaufen. In der Praxis bedeutet dies, dass die entsprechenden Informationen über Grundlagen der Berechnungen und deren Dokumentationen nicht allen betroffenen Mitarbeitern zugänglich sind und im Laufe der Zeit ggf. „übersehen“ werden. Für die Bestandsverwaltung tun sich in diesen Fällen wahre Hürden auf.
Die Berater der Aeiforia unterstützen Versicherer dabei, bislang manuell durchgeführte Aufgaben zu reduzieren und technisch neu umzusetzen. Dafür bieten wir unsere Hilfe bei der Analyse von AVBs und Geschäftsvorfällen an und erstellen Konzeptionen für die technische Umsetzung der Vorgänge in den Rechenkernen.
Am Ende geht es darum, dass die Berechnung aller Werte im Rechenkern stattfindet und manuell geführte Exceldateien der Vergangenheit angehören. Die Konzeptionen für diese Transformationen liefern die Berater der Aeiforia.
I: Bestandsmanagement ist umso aufwendiger und fehleranfälliger, je weniger die Berechnungen automatisiert im Rechenkern des Verwaltungssystems verankert sind. Ich habe verstanden, dass Aeiforia einen großen Beitrag dazu leisten kann, manuelle Berechnungen technisch neu umzusetzen. Wo fängt man denn da an?
AG: Technische Umsetzungen müssen sorgfältig geplant und auf Basis einer durchdachten Konzeption umgesetzt werden. Denn häufig lassen sich Produktspezifika, die im Rechenkern berücksichtigt werden müssen, erst in einer Detailanalyse erkennen. Gleichzeitig dürfen die Details nicht allein betrachtet werden, sondern sollten in ihrer Umsetzung und Wirkung auf den gesamten Bestand bewertet werden.
I: Das klingt nach einer ausgereiften Arbeitsphilosophie.
AG: Hier lege ich das Motto frei nach Peter Drucker zugrunde: „Es ist besser, die richtige Arbeit zu tun, als eine Arbeit nur richtig zu tun.“
I: Da kann ich nur zustimmen und mich herzlich für das ausführliche Gespräch bedanken.
Das Interview führte Sabine Gattung, Bessvema GmbH.


