Die Zeit läuft… In nicht einmal einem Jahr sollen den Bürgerinnen und Bürgern Daten aus ihren Altersvorsorgeverträgen per Knopfdruck zur Verfügung stehen. Nie war es leichter, eine vollständige Übersicht über seine Verträge zu erhalten. Während die Umsetzung der Meldepflicht mit viel Arbeit verbunden ist, sehen insbesondere Banken, Sparkassen und Fondsgesellschaft die DRÜ als enorme Chance für den Vertrieb. Wie kann es sein, dass die DRÜ so unterschiedlich wahrgenommen wird?
DRÜ – Last oder Chance?
Die Vorsorgeeinrichtungen haben einen enormen Umsetzungsaufwand. Dieser wird nach unseren bisherigen Projekterfahrungen meist massiv unterschätzt, weil es sich „nur um die Implementierung eines weiteren Meldesatzes handelt“. Seit Inkrafttreten des Gesetzes (RentÜG) am 18.02.2021 sind bereits zwei Jahre vergangen. Die freiwillige Betriebsphase hat im Januar begonnen. Doch was ist bisher bei den Vorsorgeeinrichtungen nach über zwei Drittel der Umsetzungszeit wirklich passiert? Gespräche mit verantwortlichen Projektleitern offenbaren, dass es noch einiges zu tun gibt. Projekte werden aufgrund Ressourcenknappheit geschoben und der Vertrieb ist bisher über die Integrationsmöglichkeiten der DRÜ nicht informiert.
Die mächtigste externe Vertriebsunterstützung, die es je gab
Finanzdienstleister und Softwareunternehmen ohne Umsetzungspflicht betrachten die Umsetzung der DRÜ aus einem anderen Blickwinkel. Sie sind (abgesehen von Riester-Verträgen) von der DRÜ-Meldepflicht befreit. Für sie ist die DRÜ vor allem eines: Die mächtigste externe Vertriebsunterstützung, die es je gab. Plötzlich wird es in greifbarer Zukunft möglich, nur mit dem Personalausweis des Kunden nahezu alle Vorsorgeverträge in das Kundenberatungssystem zu ziehen. In Zukunft kann der Berater somit ohne lange Vorbereitung eine vollumfängliche Kundenberatung bieten. Die hohe Komplexität der übermittelten Daten, welche kaum ein Kunde ohne fremde Hilfe interpretieren kann, spielt ihm dabei zusätzlich in die Karten. Dies bedeutet aber auch, dass die Berater in Zukunft in der Lage sein müssen, ihren Kunden instant Auskunft über jegliche Vertragsform der Altersvorsorge zu geben. Insbesondere Allfinanzanbietern ist es längst bewusst, dass nur ein kleiner Teil ihrer Berater dies bisher mühelos beherrscht; sie setzen daher auf hochkomplexe, leicht zu bedienende Vertriebssoftware.
Diese neue Vertriebschance steht selbstverständlich auch den Versicherern zur Verfügung. Auch für ihre Berater und Beraterinnen ist es essenziell, Verträge der Kunden von Fremdanbietern zu kennen und alle Vermögenswerte zu berücksichtigen. Eine qualitativ hochwertige Beratung ist nur von wenigen Beratern ohne entsprechende Software zu erreichen. Mithilfe hochkomplexer, aber einfach zu bedienender Vertriebssoftware werden selbst Berater, welche sich bisher nicht an Lebensversicherungen herantrauten, in die Lage versetzt, ihren Kunden die komplexe anbieterübergreifende DRÜ-Auskunft zu erklären und sie entsprechend individuell und qualitativ hochwertig zu beraten.
Bedeutung der Allfinanzanbieter wird zunehmen
In Anbetracht des demographischen Wandels und der Tatsache, dass ca. die Hälfte der Versicherungsvertreter/-makler innerhalb der nächsten zehn Jahre in Rente geht, sind die Allfinanzanbieter ein immer wichtiger werdendes Standbein für Vorsorgeunternehmen.
Bancassurance, also die Verschmelzung von Bank und (Lebens-)Versicherung, wird realer als je zuvor. Das Zeitalter der Bancassurance kann beginnen!
Dr. Lothar Jonitz, tetralog systems AG, und ich würden uns sehr freuen, Sie bei unserem Vortrag am 09.05.2023 auf der Bancassurance Evolution in Frankfurt begrüßen zu dürfen.
https://www.versicherungsforen.net/bancassurance-evolution
Ein Kommentar von Marina Metzger, Leiterin Geschäftsfeld Projekte & Programme, Aeiforia GmbH

